Die Schwarze Romantik

Heute will die Schmitt ihren Lesern, und ganz besonders dem John, über die Schwarze Romantik berichten. Um diesen Begriff zu klären, muss die Schmitt den unglücklichen Menschen, die nicht das Glück hatten, Germanistik zu studieren, überhaupt mal erläutern, was es mit der „nichtschwarzen“ Romantik auf sich hat. Der Begriff romantisch wird ja heutzutage inflationär gebraucht und wird vornehmlich mit Liebesdingen assoziiert. Ein Nachtspaziergang bei Vollmond, ein Lebkuchenkerz als Mitbringsel oder ein mutiger Heiratsantrag bei Kai Pflaume. Aber das geht nun wirklich zu weit. O_o
Der Begriff „schwarzromantisch“ hat sich indessen für eine Subkultur etabliert, die schwarzer Kleidung und dunklem Interieur sehr zugetan ist. Ja, ich spreche von der inzwischen sehr kommerzigen Gothickultur.  Im Zuge dieser überaus informativen Informationsschrift wird sich nebenbei klären, was denn überhaupt „schwarzromantisch“ ist.

Also, lieber Matthias, liebe Leser, jetzt geht es endlich los, mit der Romantik. <3

Die Romantik ist eine kulturgeschichtliche Epoche, die man zeitlich zwischen 1795 und 1840 einordnen kann. Die Romantiker wollten sich von den stieseligen Aufklärern und Freunden der Klassik abgrenzen und dies so gefühlsbetont wie möglich. Das Erleben und die Kunst sollten Grenzen und Konventionen überwinden. Hier sind die Manifestationen des Romantischen sehr vielschichtig. Es gibt entsetzliche Furchtbarkeiten, wie die Progressive Universalpoesie von Schlegel. „Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie“, hat er gesagt und die Schmitt, die über jene Poesie und über Lucinde ein Referat halten musste, arg gequält. Dies, liebe Leser, ist keine Sternstunde der Romantik gewesen.
Besser wird es mit Eichendorff, der dem Dichter schöpferische Qualitäten zuspricht:

Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort.

Es geht in der Romantik also um um die Hervorhebung des Wunderbaren, des Numinosen und des nicht Begreiflichen. Der Romantiker will die Welt poetisieren, seine namenlose Sehnsucht stillen. Oft sucht der Erfüllung in der Natur, die für ihn Quelle und Inspiration ist. Sehr retro ist auch die Vorliebe für das Mittelalter und die Idealisierung dieser Epoche. In der Literatur wird zudem die Bedeutung des Unbewussten und der Psyche hervorgehoben. Hier kann es vorkommen, dass sich der oftmals melancholische Protagonist im Labyrinth seiner Psyche verirrt. Das macht er aber viel hübscher und poetischer als die Heizbirnen heutzutage.
Die Schmitt will ihren Lesern aber nicht verschweigen, dass die Romantik natürlich auch eine politische Ebene hatte und dass einige Zeitgenossen sehr nationalistisch waren. Der Romantik aber die Schuld für den Nationalsozialismus zu geben, wie es einige Forscher propagieren, hält sie für ungerecht und falsch. Man sieht, dass die (deutsche) Romantik sehr vielschichtig ist und dass sie sich kurzen Definitionen hartnäckig entzieht.

Aber kommen wir zur Schwarzen Romantik. Man kann sagen, dass die Schwarze Romantik die dunkle Seite der Macht Romantik ist. Man spricht auch von den Nachtseiten der Romantik. Die Motive sind unter anderem Wahnsinn, Weltflucht, Magie, Tod und Sexualität (oft in Verbindung miteinander), Drogen, Melancholie und Suizid. Da kommen wir aber noch zu. 😀
Typische Vertreter der schwarzen Romantik sind zum Beispiel der elende Schmierfink Marquis de Sade,  der geniale Edgar Allen Poe <3 und der ebenso begabte, aber reichlich verdrehte Baudelaire. Auch Howard Phillips Lovecraft  und sogar die Brüder Grimm zählen zu den Schwarzromantikern. Bis auf den Marquis, über den und seine Leser man nur Schlechtes zu sagen weiß, sind alle Vertreter dieser Gattung geniale Wegbereiter der phantastischen Literatur. Und natürlich darf E.T.A. Hoffmann nicht vergessen werden. Niemand beschreibt (vermeintlichen) Wahnsinn so schön wie er.

Doch was ist jetzt Schwarze Romantik?
Mario Praz, der sich in Liebe, Tod und Teufel – die schwarze Romantik (1963) nur auf die französischen und englischen Schwarzromantiker bezieht, hat meines Erachtens eine eher einseitige Sicht auf das Thema. Er hebt den Sadismus und das erotische Empfinden zu stark hervor und vernachlässigt die anderen Aspekte. Zudem ist er grauenhaft zu lesen und daher nicht zu empfehlen. Besser und übersichtlicher und zudem mehr auf die deutsche Romantik bezogen ist Nachtseiten. Die Literatur der Schwarzen Romantik von Andre Vieregge. Er hat sich die Mühe gemacht, eine explizite Definition der Schwarzen Romantik zu entwickeln und die Motive detailliert aufzudröseln. Dankeschön dafür. 😉

Nach Vieregge ist ein Werk schwarzromantisch, wenn das Extra-Empirische (das Übersinnliche) die Handlung motiviert und das Übersinnliche in der intradiegetischen Wahrheitswahrscheinlichkeit als faktisch existent angenommen wird. Für Nichtgermanisten: Dracula ist für den Protagonisten wirklich existent. O_o Die Auswirkungen stellen stets eine textinterne Bedrohung dar. Leib, Leben und Seele schweben also in ernsthafter Gefahr. Ja, so ist das, liebe Leser. Die komplette Definition werde ich auswendig lernen. Das Kopfkissen ist nass von meinen Tränen.
Die schönsten Motive der Schwarzen Romantik nach Vieregge werde ich den (noch) geneigten Lesern im bald folgenden Beitrag vorstellen.


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2 Responses
  1. Deutschlehrer sagt:

    Ich weiß, ich hätte es verhindern können, aber dennoch, dass ich bei der Recherche für den Unterricht DURCH ZUFALL auf dieser Seite lande. Das hätte ich kaum für möglich gehalten. ^^

    Das Netz ist klein.

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