Archive for the Category »Lyrik «
Diesmal wieder Vampire. Die Braut von Korinth von Johann Wolfgang von Goethe ist ein relativ unbekanntes Werk, über das man wenig Sekundärliteratur findet. Auch im Netz findet sich wenig Hilfreiches.
Da man ja alles immer selbst machen muss, wenn man es ordentlich erledigt haben will, kommt hier jetzt eine erbauliche kleine Interpretation. Jetzt ist die Gelegenheit, sich ein klein wenig zu freuen, lieber Leser!
Worum geht es eigentlich?
Ein heidnischer Jüngling aus Athen reist nach Korinth, um die ihm versprochene Braut zu sehen (möglicherweise auch direkt zu ehelichen). Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass die Schwiegereltern ihre Eide, da sie Christen geworden sind, nicht mehr wahrnehmen könnten: Aber wird er auch willkommen scheinen?// Wenn er teuer nicht die Gunst erkauft?// Er ist noch Heide mit den Seinen,// Und sie sind schon Christen und getauft.
Dort angekommen, fällt er todmüde aufs Bett. Die Müdigkeit vergeht ihm, als ein blasses Mädchen in sein Zimmer kommt. Der Jüngling scheint nicht gerade schüchtern zu sein, denn er beginnt wie verrückt zu baggern: Bleibe, schönes Mädchen [...] Hier ist Ceres’, hier ist Bacchus’ Gabe // Und du bringst den Amor, liebes Kind!

Was er meint, ist quasi Wein, Weib und Gesang. Aber er hat sogar noch Brot da. Wer würde da nicht schwach werden? more…
Inspiriert von den expressionistischen Wasserleichengedichten habe ich nun selbst ein zartes Gedicht verfasst. Ich habe mich ja erst nicht getraut, es zu veröffentlichen, aber nun ist es soweit.
more…
Ich werde mich heute einem wichtigem Genre der Lyriklandschaft widmen: den Gedichten von traurigen Kreaturen, die nie wirklich verstanden werden. Der durchschnittliche zornige, ach, nein, traurige junge Gothic schreibt Gedichte über seinen Gram und über seinen Gram, nicht zu vergessen über Kummer. Häufig auch über Blut. Kindesmissbrauch wird in letzter Zeit ebenfalls sehr beliebt bei den jungen Dichtern. Ein beliebtes Motiv ist der Selbstmord in der Badewanne, gerne mit Scherben.
Die Adressaten sind andere Gothicwesen, denen auf diese Weise mitgeteilt wird, dass es dem lyrischen Ich, das stets identisch mit dem Schreiber ist, extrem schlecht geht, weil a) der Freund / die Freundin ihn/sie/es verlassen hat oder b) er/sie/es nicht nach 24 Uhr vor die Tür darf oder c) Sonstiges.
Das Reimschema ist entweder ein Kreuzreim (a-b-a-b) oder gar keiner, was bei den gebeutelten Kreaturen, die verzweifelt nach Metaphern suchen, nicht selten ist.
Aus rhetorischem Mangel heraus nutzt der kleine Gothic phrasenhafte Metaphern wie ,,gefallener Engel mit gebrochen Flügeln” oder ,,mein kleines schwarzes Herz”.
Der geneigte Leser sucht voller Verzweiflung nach einer politischen Aussage, jedoch wird hier und da das leise Stimmchen der Gesellschaftskritik laut, wird doch der/die/das Gothic beim a) Volleyball b) Fußball oder c) Brennball als Letztes gewählt, was Wunden schlägt, die nie wieder geheilt, aber durch die Poesie doch zumindest gelindert werden können.
Mit diesen Zeilen möchte das Schmitti Euch auf diese gepeinigten Kreaturen aufmerksam machen, die unbemerkt unter Euch leben. Und vielleicht lest Ihr mal ein solches Gedicht, denn wenn nicht Ihr, wer dann?
P.S.: Und das nächste Mal wird das Schmitti über begabte Gothicautoren der vergangenen Jahrhunderte berichten. Es bleibt spannend. Oder auch nicht. Ist ja alles subjektiv. Niemand mag mich. *heul*


