Archive for the Category »Alltägliches «

Der Besuch der alten Zeitung

Oberbarmen. Der Mond leuchtete bereits hell über Wuppertals Straßen, als es bei den Dahlschmitts klingelte. Die Schmitt blinzelte träge in den Flur und überlegte, wer sich zu so später Stunde ankündigte. Es war die Lokalzeitung, die schwankend die Treppenstufen herauftaumelte. „Niemand liebt mich“, lallte das offensichtlich betrunkene Schmierblatt. „Noch nicht mal du“, fügte die heruntergekommen wirkende Gestalt hinzu. „Na,na“, widersprach unsere Heldin lahm. In der Tat griff sie selten zu diesem – seien wir ehrlich – etwas altbackenen Medium. Die Zeitung fledderte sich auf das Sofa, während die Schmitt ihr einen Kaffee zubereitete und der Betrunkenen das heiße Getränk reichte. Diese weinte heiße Tränen aus Druckerschwärze. „Bin voller Rechtschreibfehler, schlechte Fotos, Themen langweilig“, schluchzte die Zeitung und knisterte aufgelöst mit den Blättern. „Und du hast auch noch mitgeholfen“, klagte sie. Die Schmitt schwieg betroffen und blickte hilflos in den Raum. Wenn man den Mitarbeitern doch Zeit ließe, die Texte zu lektorieren, den Lesern mehr Intellekt zutrauen würde und die Bilder wieder von echten Fotografen machen ließe, dann würde sich wohl alles zum Guten wenden. Die Lokalzeitung war inzwischen eingeschlafen und lag laut schnarchend auf der Couch. Schwarzer Sabber rann aus ihrem Mundwickel. Es raschelte leise, als die Schmitt sie zudeckte und das Licht löschte.

Perlen des Journalismus – Teil 1

Viel hat sich bei der Schmitt getan. Sie heiratete den Dahlmann und erlebte die Freuden der Arbeitswelt. Während der Leser auf Wuppermond Kulturelles über Wuppertal und die nähere Umgebung erfährt, ist dieses Blog – auf vielfachen Wunsch – wieder den Hürden und Freuden des Alltags gewidmet. Hier ist der erste Beitrag nach langer Zeit.

Pünktlich zum Frühlingsanfang weinte der Himmel bitterlich. Die Schmitt, die passend zum Tag ein Frühlingsfest einer Grundschule besuchen sollte, dachte an das Geld. Ein kaputter Auspuff, vier fette Katzen und ein studentischer Ehemann wollen finanziert werden, dachte die pummelige Lokaljournalistin aus Wuppertal.

In der Turnhalle standen bereits acht hoch motivierte Grundschüler für ein Foto bereit. „Was habt ihr denn Schönes gebastelt?“, heuchelte die Schmitt mit mühsam verstecktem Desinteresse. „Ungeachtet unserer begrenzten Fähigkeiten – schließlich sind wir Kinder – haben wir diese Kunstwerke hier angefertigt. Hier sehen Sie stümperhaft bemalte Eier und komische kleine Anhänger aus Ästen. Wollen Sie einen davon erwerben? Die kosten auch nur einen Euro“, sagte Leander-Steven (10) aus der Klasse 4b. Die Schmitt hatte sich aber bereits der Direktorin zugewandt, war es doch bekannt, dass Journalisten für Kaffee und Kuchen keinen Heller bezahlen mussten. Für diesen zusätzlichen Lohn schrieb sie eifrig mit. Danach rieb sich unsere Heldin die Reste des von Eltern gespendeten Schokoladenkuchens aus dem Gesicht und überließ die Grundschule ihrem Schicksal.

Neuigkeiten

Viel zu tun hatte die Schmitt in letzter Zeit damit, ihren Lebensunterhalt zu erwirtschaften. „Das war schon eine ziemlich Plackerei“, so die Jungjournalistin, die in der Redaktion kürzlich erfahren hatte, dass „so“ kein guter Stil ist. Viele der imaginären Leser wissen vielleicht noch nicht, dass sie die innig geliebten Beiträge ihrer Lieblingsautorin auch in diversen Lokalzeitungen des Bergischen Landes lesen können. Ihr wollt doch bestimmt wissen, welche Ereignisse sich in Remscheid-Lennep oder in Solingen-Merscheid ereignen. Die Schmitt weiß es jetzt.

Auch unzählige Produktbeschreibungen und Webseitentexte sind dem Geiste der Schmitt entsprungen. Die Schreibtätigkeiten sind in letzter Zeit sogar mehr geworden, dass die Künstlersozialkasse sich ihrer erbarmt hat. Allerdings, ohne Schleichwerbung zu betreiben, könnte es natürlich mehr werden. Wer also einen Ghostwriter für einen Liebesbrief oder einen „Junior Texter“ für anderen Unsinn braucht, darf sich natürlich melden. 😉
Die Schmitt will ihre Leser noch wissen lassen, dass es hier in Kürze auch weitergehen wird. Artikel über talentierte junge Musiker und Künstler und über (weil Sex immer zieht) einen erotischen Roman, der gerade noch gelesen wird. Es bleibt also unter Umständen spannend.

Magisterarbeit… und so

Die Schmitt, die ja bekanntlich an einer Magisterarbeit schreibt, hat ihr Blog arg vernachlässigt.

Unsere Heldin war damit beschäftigt, die Büros der Professoren und diverse Ämter aufzusuchen. Letztendlich hat sich die Mühe gelohnt, denn die Schmitt wurde trotz immenser Verwirrung zur Abschlussprüfung zugelassen, das Studienabschlussbafög wurde gewährt und die Uni hatte ein Einsehen und gab der Schmitt die gezahlten Studiengebühren wieder. Im Prüfungssemester ist dies möglich. 😉
Auch die NRW-Bank, die Studenten das Geld für die Studiengebühren leiht, verlängert dies um ein Semester, wenn man das Prüfungssemester anmeldet. Das hatte der Schmitt niemand gesagt, sodass das Erstaunen groß war. <3
Positiv angemerkt werden sollte auch, dass mir die Uni diesen Monat nur nette Briefe geschickt hat. Sie lernen dazu. Eine ängstliche Schmitt ist eine lästige Schmitt. 😉

Nun muss die Schmitt morgen irgendwann den Titel der Arbeit rausrücken. Wie ihr hoffentlich alle gelesen habt, geht es um die Merseburger Zaubersprüche und um die Magie im frühen Mittelalter. Die Schmitt hat diesen Titel erdacht und fragt sich, ob er denn zu diesem hoffentlich epochalen Werk passen wird. Da isser:

Die althochdeutschen Zaubersprüche als Textzeugen einer Zeit des Übergangs zwischen germanischem Heidentum und sich etablierendem Christentum: Form und Inhalt frühmittelalterlicher Magiepraxis.

Die Schmitt ist sich unsicher. So sagt doch was! So sagt doch was!
Aber letztendlich ist das wieder eine dieser einsamen Entscheidungen, die eine Frau ganz allein treffen muss. *schnüff*  Ich habe es schwer, sehr schwer. Vielleicht schreibe ich ein Gedicht.

Edit: Die Prof sagt in der Mail, ich kann mir mit dem Titel Zeit lassen. Die Frau vom Prüfungsamt sei die Woche nicht da. 😀

2011 – gute Vorsätze und Pläne

Auch die Schmitt hat sich zum Jahr 2011 einiges vorgenommen.

Zum Jahresbeginn habe ich einige unnötige Mitgliedschaften gekündigt und habe sogar zuvor meinen Papierkram aufgeräumt. Ordnung und Fleiß sind der Schmitt Zier. Mal sehen, wie das so funktioniert.

Aufgrund der Disziplinlosigkeit der letzten zwei Jahre sind leider auch wieder ein paar Kilo dazu gekommen. Ich wollte sie an ein Pro-Ana-Forum spenden, aber die wollten sie nicht haben. Jetzt muss ich selbst sehen, dass ich es loswerde. Ich habe mir selbst eine Mischung aus Fitnessstudio, Punkte zählen und Trennkost verschrieben. Ich halte meine Leser – habe ich überhaupt Leser?- auf dem Laufenden. Den John interessiert das natürlich nicht.

Getrieben von analer Geldfixierung hat die Schmitt auch bereits eine neue Kurzgeschichte für einen Schreibwettbewerb verfasst. Wenn die Jury so will, wird die Schmitt viel Geld künstlerische Anerkennung  finden. Leider ist es unserer Heldin nicht gelungen, ihre Zombiefixierung abzulegen, sodass es wieder eine Geschichte voller Blut und Verzweiflung ist. Es geht halt nicht anders. 😉

Und -denkt euch hier einen Trommelwirbel- die Schmitt wird, wenn ihr der Himmel nicht auf den Kopf fällt, 2011 ihre Magisterarbeit vollenden. Einen schlauen Titel habe ich mir noch nicht erdacht. Es geht um althochdeutsche Zaubersprüche (heidnisch und christlich) im Diskurs der frühmittelalterlichen Gesellschaft. Auch um anderern Kram. Ich amüsiere mich, der Dahlmann kann aber jetzt schon nicht mehr hören, dass „dû wart demo balderes folon sîn fuoz birenkit.“ Verrenkte Pferdefüße sind ein schwerwiegendes Problem, aber der Dahlmann kann wenig Mitleid im seinem Herzen finden. Bedauerlich….
Ich halte euch alle natürlich auf dem Laufenden, auch wenn ihr Euch nicht für Fohlenfüße und Bienensegen interessiert.

Zur Erbauung am Ende noch ein schöner Spruch für die Dummen unter Euch:

Straßburger Tumbosegen

Dümmling saß auf einem Berg mit einem dummen Kind im Arm. Dumm hieß der Berg. Dumm hieß das Kind. Der heilige Dümmling segne diese Wunde.

Zur Stillung des Blutflusses (allerdings nicht über drei Treffer pro Runde. Da sollte man schon einen Heiler rufen. Don’t try this at home.)

Krawall und Remmidemmi – der Hartz-4-Nachbar

Hartz 4 ist heutzutage ein kniffeliges Thema. Ist es nun zu viel oder zu wenig Geld? Ab wann ist eine gesellschaftliche Teilhabe nicht mehr möglich? Und immer so weiter.

Die Schmitt wendet sich jetzt einer bestimmten Spezies zu: dem Hartz-4-Randalierer.
In diesem leidvollen Artikel wird unsere Heldin ihre Erfahrungen, geprägt durch ein Leben und Arbeiten im sozialen Brennpunkt, darstellen.
Eine erschütternde Wahrheit ist leider, dass Sat1 und Co. in ihren Gerichtssendungen und bei Sendeformaten wie der Supernanny noch nicht einmal übertreiben müssen. Glaubt mir, ich war dabei. more…

Fräulein Schmittis Gespür für Schnee ;)

Heute ist ja relativ ereignisloser Tag und wirklich bedeutende Taten wurden nicht begangen. Sollte man dies die Welt wissen lassen?
Ich habe mich dafür entschieden. Lest es oder auch nicht! 😉

Als die Schmitt sich morgens, nach langem Zögern, bereit für diese Welt sah, wurde sie wieder einmal mit der Wirklichkeit konfrontiert. Die Scheißpost hat an einem Samstag nur bis 12:30 Uhr auf. Mitten in der Nacht taumelte sie den Berg der Hügelstraße hinunter. Der Schnee verhüllte auf zauberhafte Art und Weise das Gesicht des sozialen Brennpunktes Oberbarmen. Anmutig verbarg er sogar den berühmten Oberbarmer Kotzfleck, der in regelmäßigen Abständen den Bürgersteig ziert. more…

„Nicht in der Öffentlichkeit“ – oder „Der Saunabesuch“

Die Schmitt geht gern in die Sauna. Es ist gesund, das Bindegewebe wird gestrafft, und alles riecht lecker.
Die Ruhebereiche bieten Oasen der Entspannung, das alles ist sozusagen der Urlaub des kleinen Mannes –- oder aber der kleinen Frau. 😉

Es könnte aber das Paradies sein, wenn die Saunaregeln oder zumindest die normalen Regeln des Anstandes eingehalten würden. Der Umgang mit anderen Menschen will gelernt sein, aber viele arme Leute haben in der Schule des Lebens leider ein „ungenügend“. Ab in die Ecke und schämt euch!

Die Schmitt konnte der Dinge drei erkennen:

Lesen will gelernt sein. Eine offenbar pädagogisch wenig geschulte Frau nahm –– entgegen den Regeln –– ihr ca. dreijähriges Kind mit in die Sauna. Was die Schmitt von einem kleinen Lärmproduzenten in einer Flüsterzone hält, davon brauchen wir ja nicht mehr reden. 😉
Später trafen wir diese Frau mit ihrem greinenden und sich wehrenden Kind im Vorraum einer extrem heißen und dunklen 110-Grad-Sauna. Das Kind hatte wenig Freude an dieser Tätigkeit. Was für eine Überraschung!
Wie kann man eine schöne heiße Sauna verschmähen, wenn nebenan nur so ein Scheiß-Spaßbad ist. Also bitte…

Verwunderlich ist auch, dass fremde Menschen extrem zutraulich werden, wenn es darum geht, noch einen Platz beim Aufguss zu ergattern. Ruhe, Erholung und vor allen Dingen Platz sind Luxus. Wer täglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, der wird wissen von welchem Umstand wir –– das königliche Wir –– hier sprechen.
Das Gefühl für Nähe und Distanz scheint nicht allen Menschen ein Grundbedürfnis zu sein.

Aber nun kommt der Höhepunkt dieses Blogeintrages und das absolute Pfui des Abends. Pfui!
Wir konnten ein übersichtliches kleines Rudel südländischer Herren ausmachen, denen jegliche Contenance abging. Wollen wir nicht über ihre Dickheit und ihre Ganzkörperbehaarung reden, darüber sieht eine Dame in der Sauna hinweg. Wir wollen über das Betasten der eigenen Geschlechtsorgane „in der Öffentlichkeit“ (ein oft benutzter Ausspruch der Schmitt) reden. Was soll das? Ist das kulturell geprägt? Und wenn –– kann die eigene Prägung nicht überwunden werden?

Direkte sexuelle Handlungen sind in einer Sauna verboten. Kann das ständige Betasten der eigenen Geschlechtsteile nicht auch schon so gesehen werden? Und was würden diese Menschen davon halten, wenn wir uns im Allerheiligsten rumpuhlen und es dann an unser Handtuch schmieren würden?

Liebe Betroffene: Falls ihr dies lest, so bedenkt, dass ihr durch das Ziehen am eigenen Geschlechtsorgan nicht besser dasteht, ihr könntet viele Sympathien verlieren und gar als obszön und barbarisch gelten. Ja, wirklich!

Abgesehen davon war der Saunabesuch aber wirklich erquickend und der Großteil der Menschen höflich und distanzbereit. Man sollte schließlich auch mal was Positives schreiben. Sonst sieht es ja aus, als würde die Schmitt nur meckern. Das sollte man vermeiden. 😉

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