Archive for » April 2nd, 2016«

Charly – Nachruf auf einen epochalen Kater

Zeichnung: Judith Meuser

Sein Tod kam sehr überraschend und traf ihn – und uns – sehr plötzlich. Ein kurzer schmerzerfüllter Schrei, dann brach „der Onkel“ leblos zusammen. Bis zu seinem abrupten und viel zu frühen Ende im Alter von 15 Jahren patrouillierte er durch die Wohnung und vertrat seine Interessen mit bemerkenswerter Vehemenz. Sein größtes Glück war es, in betonter Langsamkeit vor seinen Menschen herzulaufen. Leitete jemand den Überholvorgang ein, wurde jene Person mit einem Schlag in die Hacken bestraft. Es ist ein Trost, dass er an seinem letzten Tag diesem Hobby noch frönen konnte und sich wie gewohnt über das Nahrungsangebot beschwerte.
Er liebte Thunfisch, frisch aufgefüllte Wassernäpfe und Katzenminze. Die Herrschaft über die anderen Katzen erhielt unser rund acht Kilo schwerer Kater konsequent aufrecht. Oft duellierte er sich in den Morgenstunden mit der kleinen fetten Katze. Sehr ärgerte er sich über stinkende Häufchen anderer Mittiere und ahndete Klogänge, indem er die Faust schnacken ließ. Häufig hörten wir die lauten Schreie seiner Mitkatzen, die er – falls er sie erwischte – in einen Klammergriff nahm und kräftig auswrung – dies zum Ärger seines Frauchens, die den in alle Richtungen spritzenden Angsturin wegwischen musste.

Zu den seinen großen Leidenschaften zählten Hände, deren Geschmack und Konsistenz er schätzte. Auf seine innovative Entwicklung „die Handfalle“ meldete er im Jahre 2006 ein Patent an. Raffiniert präsentierte die Katze der Herzen dabei ihren flauschigen Bauch, der zum Kraulen einlud. Verirrte sich eine Hand an seinen Solarplexus, ließ Charly die Falle zuschnappen. Noch heute singen die Skalden Lieder von blutenden Wunden und abgetrennten Gliedmaßen.
Ängstlich beobachtete er den Wechsel des Wetters und fürchtete Wind, Regen, Gewitter und Schneefall. Dann kuschelte er sich an seine Menschen und suchte ihren Trost. Seine besondere Liebe galt seinem Herrchen, bei dem er ab seinem dritten Lebensjahr wohnte. Heftig schnurrend verbrachte er so manchen Abend an der Seite des Dahlmanen und folgte ihm auf Tritt und Schritt.

Sein Ableben hinterlässt eine viel zu große Ruhe und eine schmerzliche Lücke.

AUTSCH“, entfuhr es Tod und er blickte an seinem knöchernen Arm herunter. Neben ihm hatte sich ein großer roter Kater manifestiert. Verwundert zog er seine Hand aus dem Maul des riesenhaften Tiers, das die Aktion mit einem lauten „ACK!“ kommentierte und nun mit erregt zitterndem Schwanz vor der Pforte seines Hauses stand. Tod überlegte einen Augenblick und öffnete. Der Boden zitterte leicht, als die Katze eilig sein Heim betrat und auf ein ebenholzfarbenes Sofa sprang. Lautes Schnurren erfüllte die ewigen Hallen. Tod setze sich ebenfalls. „KATZEN, KATZEN SIND GUT.“

 

 

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