Fifty Shades of Schwachsinn

Es gibt ein neues „Skandalbuch“, welches sich rasant verkauft und über das schon viel geschrieben wurde, zum Beispiel in der ZEIT oder auf dem Erotikblog Les petits Plaisiers. Auch die Schmitt hat dieses unsägliche Werk gelesen. Aber immerhin nicht gekauft. Jetzt, jetzt, geht es los mit der Rezension.

Shades of Grey – ein schwarzromantisches Werk?

Was passiert da eigentlich?
Grob zusammengefasst lernt eine junge Jungfrau, Literaturstudentin in der Anschlussprüfungsphase, den überaus reichen Christian Grey kennen. Schnell geht es zur Sache, aber Christian Grey hat ein Problem. „Normaler“ Sex und das Führen einer „normalen“ Beziehung ist ihm aufgrund seiner verkorksten Kindheit nicht möglich. Ana soll einen Vertrag (Teufelspakt?) unterschreiben, der die gemeinsame Sexualität regeln soll. Diese soll sich im Bereich des BDSM abspielen. Ana hat natürlich Skrupel, ist aber hoffnungslos verknallt in den überaus schönen (und das steht auf jeder Seite) Firmenbesitzer. Was erwartet den Leser? Seitenlange Beschreibungen von bravourös ausgeführtem Geschlechtsverkehr und Diskussionen über den oben erwähnten Vertrag.

Auf den ersten Blick ist „50 Shades of Grey“ ein Werk in der Tradition der schwarzen Romantik. Der dunkle Verführer und die junge Unschuld. Die Protagonistin Anastasia ist „ein gar unschuldig Ding“ (Faust), ein unbeschriebenes Blatt. Fast wie das Gretchen, nur dass der obszön reiche Christian Grey kein Faust und noch nicht einmal ein Lord Byron ist. Da das (Mach)Werk nicht den Untergang einer unschuldigen Person schildern soll, geht es für die langweilige (langweilig wie ein Langweiler, so langweilig) Protagonistin immer gut aus. Ihr Traumprinz kündigt zwar immer BDSM-lastige Handlungen und emotionale Probleme an, nimmt sie aber gleichzeitig wieder zurück. Er kann nicht mit einer Person im Bett schlafen. Zack – Löffelchenstellung. Er kann keinen Vanillasex? Und zack – hat er die Protagonistin zärtlich defloriert. Freunde von Sex und Gewalt warten vergeblich auf die Kombination dieser Tugenden. Ein Kultbuch für BDSM-ler wird 50 Shades of Grey wohl nicht werden.

Die Schmitt fragt sich bei dieser farblosen und langweiligen Story, was Millionen Frauen bewegt, dieses Buch mit ernsthafter Begeisterung zu lesen.
Eine Erklärung wäre wohl die Kompensation nicht ausgelebter Bedürfnisse: Manch eine Frau wünscht sich wohl, von ihrem Beziehungspartner mal ein bisschen mehr begattet und beschenkt zu werden. Die Kontrolle, die Christian Grey ausübt, schmeichelt ja auch, da er ständig aufmerksam ist. Außerdem teilt er ihr ständig mit, wie wunder-wunder-wunder-schön sie ist. Da Frauen ja ständig unsicher sind, wäre dies in der Realität ja auch praktisch.
Was mich aber echt wütend an der ganzen Sache macht, ist die Tatsache, dass hier traditionelle Rollenmuster bis zum Erbrechen ausgeschlachtet werden. Man liest es ja auf den Buchrücken vieler Frauenkitschbücher: Die Protagonisten sind immer sehr, sehr reich und faszinierend. Mädels, seid ihr eigentlich so materialistisch? Das ist – ehrlich gesagt – schon ein bisschen eklig.
Ein weiterer Bonus ist, dass man in die doofe Ana auch viel hineininterpretieren kann. Klar, sie hat ein Literaturstudium geschafft (Boah!), aber wer sie eigentlich ist, erfährt keine Sau. Klägliche Protagonisten und eine klägliche Story sind scheinbar das Geheimrezept für einen Bestseller. In dem Sinne, viel Spaß beim Lesen. O_o


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3 Responses
  1. Steffi sagt:

    Naja, dass das Buch ein Erfolg geworden ist, liegt tatsächlich daran, dass die Mädels sich tatsächlich alle wünschen von einem reichen, reichen Mann verführt zu werden und wohl auch mal über ihre Grenzen hinaus gefordert zu werden (in sexueller Hinsicht). Dass das Ganze dann wohl nur auf Vanilla BDSM Basis bleibt, ist auch klar, weil dafür die breite Masse sonst nicht bereit ist. Erst mal vorsichtig die Leute an das Thema heranführen (: Wobei ich in zwischen glaube, dass nach Analsex BDSM jetzt auch schon zum Standard-Repertoir jedes Mädchens gehören sollte… Ich hab das Buch nicht gelesen und will es auch gar nicht *g*

  2. Heiko sagt:

    Na, schau, das hast Du Dir Deine Frage schon beantwortet. Der Grund warum dieses Machwerk ein Bestseller wurde, ist doch leicht zu beantworten. Ein großer „richtiger“ Verlag hat ein Buch herausgebracht, das von seinem Inhalt her auch jede Woche montags von Bastei und anderen Verlagen an die Kioske und Supermärkte gebracht wird. Da diese Heftromane jedoch in keiner Bestsellerliste auftauchen, sich aber dennoch gut verkaufen, zahllose Renterninnen geben die 1- 2 €uro dafür gerne aus, war es ein einfacher Marketingbuch dieses Buch nicht als Heftroman, sondenr ebena als Buchroman zu vermarkten. Der Inhalt ist der gleiche, nur die Verpachkung eine andere, und in dieser Verpackung, verkauft es sich besser. Und die Tatsache, dass es um nicht ganz normalen Sex geht, was einer verklemmten Gesellschaft wie der amerikanidchen und auch deutschen immer spannend vorkommen muss, nicht umsonst gibt es in beiden Ländern die größten Pronoindustiren, mag auch dazu beigetragen haben.
    Mir persönlich haben ja bereits die von Lars Golenia vorgelesenen Auszüge gereicht, um mich Deiner Meinung im vollen anzuschließen (siehe hier: http://www.youtube.com/watch?v=4208-JKIlOM&feature=plcp)

    Grüße

  3. Norah sagt:

    Es war nur eine Frage der Zeit, bis erotische Literatur wieder salonfähig wird. Ehrlich gesagt bin ich froh. In Zukunft werden noch viele weitere ähnliche Bücher erscheinen, vielleicht sogar welche mit härterer Gangart und mehr psychologischer Tiefe, wer weiß.

    Jedenfalls kann ich die Kritikpunkte allesamt nachvollziehen. Es ist ein oberflächlicher Plot, aber durchaus auch ein intensiver. Wie bei GZSZ, ein ständiges Hin-und-Her quasi. Das lieben die meisten Menschen, weil sie sich mit dieser Unsicherheit gut identifizieren können.

    Deine kurze Rezension fand ich übrigens gut 🙂

    Norah

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