Die Braut von Korinth

Diesmal  wieder  Vampire. Die Braut von Korinth von Johann Wolfgang von Goethe ist ein relativ unbekanntes Werk, über das man wenig Sekundärliteratur findet. Auch im Netz findet sich wenig Hilfreiches.
Da man ja alles immer selbst machen muss, wenn man es ordentlich erledigt haben will, kommt hier jetzt eine erbauliche kleine Interpretation. Jetzt ist die Gelegenheit, sich ein klein wenig zu freuen, lieber Leser!

Worum geht es eigentlich?

Ein heidnischer Jüngling aus Athen reist nach Korinth, um die ihm versprochene Braut zu sehen (möglicherweise auch direkt zu ehelichen). Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass die Schwiegereltern ihre Eide, da sie Christen geworden sind, nicht mehr wahrnehmen könnten: Aber wird er auch willkommen scheinen?// Wenn er teuer nicht die Gunst erkauft?// Er ist noch Heide mit den Seinen,// Und sie sind schon Christen und getauft.

Dort angekommen, fällt er todmüde aufs Bett. Die Müdigkeit vergeht ihm, als ein blasses Mädchen in sein Zimmer kommt. Der Jüngling scheint nicht gerade schüchtern zu sein, denn er beginnt wie verrückt zu baggern: Bleibe, schönes Mädchen […] Hier ist Ceres‘, hier ist Bacchus‘ Gabe // Und du bringst den Amor, liebes Kind!


Was er meint, ist quasi Wein, Weib und Gesang. Aber er hat sogar noch Brot da. Wer würde da nicht schwach werden?

Das Mädchen ist aber zunächst anderer Meinung: Ferne bleib, o Jüngling! bleibe stehen,// Ich gehöre nicht den Freuden an. Tut sie auch nicht, dass wird er bald merken. Sie grämt sich, denn durch der guten Mutter kranken Wahn (gemeint ist, dass die christlich gewordene Mutter die älteste Tochter, die dem Jüngling versprochen war, aus Dankbarkeit über ihre Genesung ins Kloster geschickt hat) ist der letzte Schritt geschehen. Was da geschehen ist, darüber denkt man im Liebeswahn nicht nach. Ist ihm egal und er ruft: „ Liebchen, bleibe hier! // Feiere gleich mit mir // Unerwartet unsern Hochzeitsschmaus!

Nach Mitternacht beginnt es auch dem dümmsten Leser zu dämmern, dass die schöne Maid kein Mensch ist. Zur Geisterstunde schien es ihr erst wohl zu sein. Brot mag sie überhaupt nicht, aber gierig schlürft sie mit dem blassen Munde // Nun den dunkel blutgefärbten Wein. Doch Liebe machen will sie immer noch nicht. Verdammt!

Der Jüngling versucht es mit Wimmern und Tränen: Bis er weinend auf das Bette sank. Das schöne Mädchen warnt ihn erneut, aber faßt sie mit starken Armen um sie zu erwarmen. Das hat er nun davon.Gierig saugt sie seines Mundes Flammen und seine Liebeswut wärmt ihr starres Blut. Na jut..

Die Mutter währenddessen patrouilliert durch das Haus und hört verdächtige Geräusche. Sie fragt sich zu Recht: Gibt es hier im Hause solche Dirnen,// die dem Fremden gleich zu Willen sind?

Sie stellt den Gast zur Rede und trifft schockierenderweise auf ihre tote Tochter, die ihr die Schuld für die ganze Misere gibt: Mutter, habt ihr doch das Wort gebrochen, // Weil ein fremd‘, ein Falsch Gelübd‘ Euch band!
Der Eidbruch und der Frevel an den alten Göttern sowie der antiken Lebenslust haben die Tochter vampirisiert.
Der Jüngling werde ihr Los teilen: Schöner Jüngling! kannst nicht länger leben […]
Das Austauschen der Kette und das Annehmen seiner Locke hat den Bund besiegelt. Der Vampir bittet die Mutter nur noch, als letzten Liebesdienst, beide Leichname zu verbrennen.
Wenn der Funke sprüht, // Wenn die Asche glüht, // Eilen wir den alten Göttern zu.

Und was soll das jetzt?

Goethes Vampirgedicht weicht in vielen Punkten von typischen Schauergedichten ab.
Goethe gibt hier den gebrochenen Eiden der zum Christentum konvertierten Familie die Schuld für den Fluch des Vampirismus. Die christliche Religion wird als lebens- und lustfeindlich bezeichnet: Salz und Wasser kühlt, \\ Nicht, wo Jugend fühlt.
Der Bruch des Eides und das Abschneiden der Lebenslust des Mädchens endet im Tod. Anders als in typischen Werken der Romantik, wo die Hinwendung zu Gott Hilfe und Erlösung bringt, ist die Christianisierung der Familie hier nicht Hilfe, sondern Fluch. Damit ist Die Braut von Korinth ein völlig untypisches Werk für diese Epoche.

Vieregge hat schon zuvor in seiner Dissertation über die Schwarze Romantik angemerkt, dass die Braut von Korinth ein schwarzromantisches Werk ist. Dies kann man an einigen Motiven festmachen. Zum einen ist der Einbruch des Übersinnlichen in die Lebenswelt des Protagonisten. Das Übersinnliche trägt die Handlung und unterliegt gewissen Gesetzen. Die Braut blüht um Mitternacht auf, der Bund muss besiegelt werden und das Extra-Empirische wurde durch ein ethisches Fehlverhalten ausgelöst. Das Mädchen ist, auch wenn sie Schuldgefühle hat, eine todbringende Femme Fatale, deren Kuss den Tod bringt.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass die Braut von Korinth einen Bruch mit normalen Konventionen der Schauergeschichten bedeutet, aber auch typischen Strickmustern der Schwarzen Romantik folgt. Die Frage, was das alles soll, kann uns nur Goethe erklären. Vielleicht kommt er uns ja mal besuchen. 😉


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One Response
  1. Fav sagt:

    Hach, so poetisch wie bei Dir las ich Goethe noch nie! Es wird wohl wieder Zeit für ein schmittsches Gothicgedicht! :p

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