Der Vampir und die schwarze Romantik

Da die Prüfung in Literaturgeschichte ja näher rückt, will ich meinen imaginären Lesern die Ergebnisse meiner Lernbemühungen nicht vorenthalten. Es geht nicht nur um Märchen, sondern auch um ein Subgenre der Phantastik, die Schwarze Romantik. Wie sich dieses Genre von der Literaturgattung der Romantik unterscheidet, werde ich dem Leser, der sich ja nicht wehren kann, in einem späteren Artikel darlegen. Fest steht, dass der ganze Vampirkram in die Gattung der Schwarzen Romantik fällt. Diese ist nah mit der englischen Gothic Novel verwandt: Bekannt sind hier das etwas komisch anmutende Castle of Otranta von Horace Walpole oder Mary Shellys Frankenstein.

Ein späterer Klassiker ist natürlich Dracula von Bram Stoker. Der blutsaugende Graf ist als Prototyp des Vampirs in die Film- und Literaturgeschichte eingegangen, seit die Novel 1899 veröffentlicht wurde. Ein früheres, aber weniger bekanntes Werk ist The Vampire von Polidori. Seine Darstellung eines anti-bourgeoisen Frauenverführers gelangte im Gegensatz zu Stokers Werk nie zu Weltruhm. Die Stichworte Vampir und Dracula sind eng miteinander verknüpft.

Der Roman ist aus der Perspektive der verschiedenen Charaktere geschrieben. Wir erhalten zum Beispiel Einblick in das Innenleben Jonathan Harkers, der nicht gerade glücklich ist, mit dem gruseligen Grafen und seinen moralisch fragwürdigen Vampirfrauen wohnen zu müssen oder dessen Verlobter Mina, die ihren Jonathan sehnlichst zurück erwartet. Durch die verschiedenen Perspektiven und auch eingefügte Zeitungsartikel vermittelt der Roman einen Eindruck von Authentizität. In diesem Roman ist es übrigens noch nicht sauerotisch, wenn man von einem Vampir heimgesucht wird. Im Gegenteil, die Bevölkerung im Osten ist ernsthaft abgeneigt und wendet sich Hausmittelchen wie Rosenkränzen oder Knoblauch zu.

In Bram Stokers Dracula ist der Vampir eine ernsthafte Bedrohung für Leib und Leben und primär ein Todesbringer. Die Gefahr ist aber auch, dass man im jenseitigen Leben verdammt ist. Die arme Lucy stirbt gleich zweimal, muss sie doch von ihrem untoten Dasein erlöst werden. Die Vampirschönheiten Vampirschlampen sind für Jonathan Harker zwar verlockend, aber das Gefühl von Angst und Ekel ist stärker. Typisch für dieses Genre ist, dass die Rechtschaffenen und Unschuldigen die Manifestationen des Teufel erkennen, auch wenn sie in verlockender Gestalt erscheinen. In Fachkreisen nennt man das auch das Gretchengespür. Schön, wenn man es hat.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich in der Schwarzen Romantik das erotische Empfinden des Vampirs geändert. Mario Praz hat hat in seinem Werk Liebe, Tod und Teufel – Die schwarze Romantik bereits die Bedeutung der abseitigen Erotik, der Medusenschönheit und der Femme Fatale herausgestellt. Es geht zwar in diesem Genre nicht primär um Erotik, aber die Rolle des Eros ist auch nicht gerade klein. Man sieht gerade beim Vampir die Entwicklung, dass die Ästhetik und Erotik eine immer größere Rolle spielen.
Ein herzzerreißendes Beispiel ist die Dracula-Verfilmung von Francis Ford Coppola. Die kleine Schmitt hat bitterlich geflennt vor Rührung und welches kleine schwarzgekleidete Mädchen hat nicht nachts verstohlen ein Fenster geöffnet? Na?

Im Original ist Mina natürlich nicht so intim mit dem Vampir und sie ist auch nicht die Reinkarnation seiner Gattin. Trotzdem fließen noch Tränen der Rührung. *hach* Natürlich haben wir dem Blutsauger alles Glück der Welt gewünscht, denn Keanu Reeves hat sowieso nur einen Gesichtsausdruck.
Die Liebe zum Vampir nimmt aber immer schlimmere Formen an. Die meisten vergessen dann, dass zu diesem Eros immer noch ein Haufen Thanatos gehört. Edward Cullen und der Typ aus True Blood sind drastische Beispiele, dass Vampire immer mehr auf ihre körperlichen Reize reduziert werden. Das kann und darf nicht sein, denn der Vampir will auch für seine inneren Werte und für Blutvergießen und Gemetzel geliebt werden. Denkt daran, liebe Leser!


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