Das Elend mit den Märchen

Die Schmitt, die gerade den Arsch voll Arbeit und irgendwie auch ein kreatives Jammertal hat, bereitet sich zur Zeit intensiv auf die Prüfung bei Professor Meier vor. Die Themen sind „Schwarze Romantik“ und   – taaa-daaaa – Märchen. Die Lektüre von Märchen ist ja so eine Sache. Man kommt als Germanistikstudent ja nicht drumherum und – seien wir mal ehrlich *zwinker-zwinker* – ist das auch ein dankbares Prüfungsthema. Tjaaaaa….
Aber:  Wer in absehbarer Zeit alle Kinder- und Hausmärchen lesen muss, kommt in kürzester Zeit in Genuss des E.T.A.-Hoffmanschen Wahnsinns.

Eigentlich dürften die von den Brüdern Grimm editierten Geschichten nicht langweilig sein, schließlich ist das Gewaltpotential extrem hoch. Abgehackte Fersen und Zehen bei Aschenputtel (KHM 21), ein nekrophiler Prinz und eine Exekution durch glühende Eisenschuhe bei Sneewittchen (KHM 53) und der kluge Hans (KHM 32) wirft einige Augen auf seine Angebetete: „Hans geht in den Stall, sticht allen Kälbern und Schafen die Augen aus und wirft sie der Gretel ins Gesicht.“
Das hat Potential.

Aber: die speziellen Eigenschaften des Märchens, insbesondere des Volksmärchens, quälen die Schmitt. Da kann das Märchen noch so viel auf alte Initiationsriten, Schamanismus und Animismus (Vgl.: Lüthi: Märchen. S. 65) verweisen. Die äußere Form bietet zu viel Vertrautes und zu wenig Überraschungen: Aschenputtel macht drei Ballbesuche, die böse Stiefmutter versucht dreimal Sneewittchen bei Garaus zu machen, der Dummling trifft auf drei Tiersorten.

Zu allem Übel gibt es unzählige Varianten eines Märchentyps, die von Region zu Region verschieden sind, zum Beispiel Daumesdick (KHM 37) oder Daumerlings Wanderschaft (KHM 45). Manchmal verschmelzen verschiedene Motive bekannter Märchen zu einer neuen Form (Kontamination). Und ständig werden Personen von Adel geheiratet, meist irgendwelche Prinzessinnen.
Ein Vergnügen ist das wahrlich nicht. „Ich arme Jungfer zart, ach, hätt‘ ich doch den Thomas Mann genommen.“


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