Archive for » November, 2011 «

Die Braut von Korinth

Diesmal  wieder  Vampire. Die Braut von Korinth von Johann Wolfgang von Goethe ist ein relativ unbekanntes Werk, über das man wenig Sekundärliteratur findet. Auch im Netz findet sich wenig Hilfreiches.
Da man ja alles immer selbst machen muss, wenn man es ordentlich erledigt haben will, kommt hier jetzt eine erbauliche kleine Interpretation. Jetzt ist die Gelegenheit, sich ein klein wenig zu freuen, lieber Leser!

Worum geht es eigentlich?

Ein heidnischer Jüngling aus Athen reist nach Korinth, um die ihm versprochene Braut zu sehen (möglicherweise auch direkt zu ehelichen). Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass die Schwiegereltern ihre Eide, da sie Christen geworden sind, nicht mehr wahrnehmen könnten: Aber wird er auch willkommen scheinen?// Wenn er teuer nicht die Gunst erkauft?// Er ist noch Heide mit den Seinen,// Und sie sind schon Christen und getauft.

Dort angekommen, fällt er todmüde aufs Bett. Die Müdigkeit vergeht ihm, als ein blasses Mädchen in sein Zimmer kommt. Der Jüngling scheint nicht gerade schüchtern zu sein, denn er beginnt wie verrückt zu baggern: Bleibe, schönes Mädchen […] Hier ist Ceres‘, hier ist Bacchus‘ Gabe // Und du bringst den Amor, liebes Kind!


Was er meint, ist quasi Wein, Weib und Gesang. Aber er hat sogar noch Brot da. Wer würde da nicht schwach werden? more…

Die Femme Fatale – die Motive der Schwarzen Romantik II

Da schon Klagen aufkamen, dass das Thema der Erotik offenbar nicht genug angesprochen werde, beschäftigt sich dieser Artikel mit der Femme Fatale. Warum das männermordende Biest ein Motiv der Schwarzen Romantik ist, werde ich jetzt erläutern. Die Femme Fatale zeichnet sich durch eine besondere Anziehungskraft auf Männer (heutzutage bestimmt auch auf Frauen) aus. Sie ist kein verhuschtes Heimchen am Herd, sondern eigenständig und sich ihrer erotischen Ausstrahlung auch bewusst. Dummerweise wirkt sie sich fatal auf die geistige, seelische und körperliche Gesundheit aus.
In der Schwarzen Romantik kann man die Femme Fatale zum einen dem Motivkreis der heidnischen Götterwelt zuordnen. Im Marmorbild von Eichendorff wird „der blühende Knabe“ Florio beinahe das Opfer der Venus, wird aber durch ein frommes Lied des Sängers Fortunato gerettet. Die Bergkönigin in Tiecks Runenberg ist ebenso gefährlich. Erst läuft sie splitternackt in ihrem Thronsaal herum und entfacht dann die Wolllust in Christian, einem desorientierten jungen Mann, der gerade erst seine Gärtnerausbildung abgebrochen hat. Dieser flieht ins Tal und ist zunächst außer Gefahr, um dann später wieder im „dionysischen Wahn“ durch die Gegend zu taumeln. So wird das nix mit dem bürgerlichen Leben, lieber Christian!

Doch nicht nur heidnische Götter und Naturwesen schaden der männlichen Psyche. Auch weibliche Personifikationen des Teufels, wie der Sukkubus, der in den Elixieren des Teufels von der durchtriebenen Euphemie verkörpert wird, sind buchstäblich fatal. Medardus ist ein letzter Konsequenz ein wenig fataler, vertauscht er doch den vergifteten Wein und beseitigt so Euphemie. „Dem Wahnsinn entgegen irrlichternd“ verübt er noch einen Mord und flieht in die Nacht. Die Seele ist danach natürlich im Arsch.
In The Monk ist es die Teufelsbündnerin Mathilda, die Ambrosius zum Teufelspakt, verbotener Erotik und Vergewaltigung verführt. Auch das endet natürlich übel.
Liebe Jungs, im wirklichen Leben sind Frauen aber gar nicht so schlimm. Wirklich. 😉

Teufelspakt und Melancholie – die Motive der Schwarzen Romantik I

Eines der wichtigsten Motive der Schwarzen Romantik ist der Teufelspakt.  Jeder kennt – zumindest literarisch – diese Situation. Der Teufel bietet Geld, Wissen und willige Frauen und alles, was man tun muss, ist auf diesem winzigen Zettel zu unterschreiben. Mit Blut. Oder auch anders. Je nachdem.

Goethes Faust ist nach der Vielzahl der Motive der Schwarzen Romantik und der Definition von Andre Vieregge ein schwarzromantisches Werk. Faust wird durch den leibhaftigen Teufel verführt und das Elend nimmt seinen Lauf. Das arme Gretchen wird es ausbaden müssen. „Heinrich, mir graut vor Dir.“ Dem Leser natürlich nicht, ist Faust doch „das bedeutendste und meistzitierte Werk der deutschen Literatur“. Ich möchte insbesondere die im Internet befindlichen Gothics bei dieser Gelegenheit daran erinnern, nicht immer dieses Zitat in irgendwelche Profile zu schmieren. Ja, ihr wisst was ich meine. „Ich bin der Geist der stets verneint! / Und das mit Recht; denn alles was entsteht / Ist werth daß es zu Grunde geht; / Drum besser wär’s daß nichts entstünde. / So ist denn alles was ihr Sünde, / Zerstörung, kurz das Böse nennt, / Mein eigentliches Element.“

Wenn ich einen von Euch erwische…aber wie dem auch sei. Lassen wir das.

Der faustische Teufelspakt beruht auf einem viel früheren Werk: Die Historia von D. Johann Fausten von 1587. Hier endet der Teufelspakt mit dem grausamen Tod des Protagonisten.
Einen ebenso unschönen Tod erleidet der arme Adrian Leverkühn, der Protagonist von Thomas Manns Doktor Faustus, der nicht nur unter schlimmer Migräne, sondern auch unter den Folgen einer unbehandelten  Syphilis leidet. Die Infektion mit dieser, das Gehirn weichkochenden Krankheit ist hier als Besiegeln des Teufelpaktes zu sehen. Der Teufel ist in diesem Falle der Stadtführer, der den armen Jung in das Hurenhaus, wo die Bakterien lauern, geleitet. Doktor Faustus zählt nicht zur Schwarzen Romantik, weist aber viele klassische Motive des Teufelspaktes auf. more…

Die Schwarze Romantik

Heute will die Schmitt ihren Lesern, und ganz besonders dem John, über die Schwarze Romantik berichten. Um diesen Begriff zu klären, muss die Schmitt den unglücklichen Menschen, die nicht das Glück hatten, Germanistik zu studieren, überhaupt mal erläutern, was es mit der „nichtschwarzen“ Romantik auf sich hat. Der Begriff romantisch wird ja heutzutage inflationär gebraucht und wird vornehmlich mit Liebesdingen assoziiert. Ein Nachtspaziergang bei Vollmond, ein Lebkuchenkerz als Mitbringsel oder ein mutiger Heiratsantrag bei Kai Pflaume. Aber das geht nun wirklich zu weit. O_o
Der Begriff „schwarzromantisch“ hat sich indessen für eine Subkultur etabliert, die schwarzer Kleidung und dunklem Interieur sehr zugetan ist. Ja, ich spreche von der inzwischen sehr kommerzigen Gothickultur.  Im Zuge dieser überaus informativen Informationsschrift wird sich nebenbei klären, was denn überhaupt „schwarzromantisch“ ist.

Also, lieber Matthias, liebe Leser, jetzt geht es endlich los, mit der Romantik. <3

Die Romantik ist eine kulturgeschichtliche Epoche, die man zeitlich zwischen 1795 und 1840 einordnen kann. Die Romantiker wollten sich von den stieseligen Aufklärern und Freunden der Klassik abgrenzen und dies so gefühlsbetont wie möglich. Das Erleben und die Kunst sollten Grenzen und Konventionen überwinden. Hier sind die Manifestationen des Romantischen sehr vielschichtig. Es gibt entsetzliche Furchtbarkeiten, wie die Progressive Universalpoesie von Schlegel. „Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie“, hat er gesagt und die Schmitt, die über jene Poesie und über Lucinde ein Referat halten musste, arg gequält. Dies, liebe Leser, ist keine Sternstunde der Romantik gewesen.
Besser wird es mit Eichendorff, der dem Dichter schöpferische Qualitäten zuspricht:

Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort.

Es geht in der Romantik also um um die Hervorhebung des Wunderbaren, des Numinosen und des nicht Begreiflichen. Der Romantiker will die Welt poetisieren, seine namenlose Sehnsucht stillen. Oft sucht der Erfüllung in der Natur, die für ihn Quelle und Inspiration ist. Sehr retro ist auch die Vorliebe für das Mittelalter und die Idealisierung dieser Epoche. In der Literatur wird zudem die Bedeutung des Unbewussten und der Psyche hervorgehoben. Hier kann es vorkommen, dass sich der oftmals melancholische Protagonist im Labyrinth seiner Psyche verirrt. Das macht er aber viel hübscher und poetischer als die Heizbirnen heutzutage.
Die Schmitt will ihren Lesern aber nicht verschweigen, dass die Romantik natürlich auch eine politische Ebene hatte und dass einige Zeitgenossen sehr nationalistisch waren. Der Romantik aber die Schuld für den Nationalsozialismus zu geben, wie es einige Forscher propagieren, hält sie für ungerecht und falsch. Man sieht, dass die (deutsche) Romantik sehr vielschichtig ist und dass sie sich kurzen Definitionen hartnäckig entzieht. more…

Der Vampir und die schwarze Romantik

Da die Prüfung in Literaturgeschichte ja näher rückt, will ich meinen imaginären Lesern die Ergebnisse meiner Lernbemühungen nicht vorenthalten. Es geht nicht nur um Märchen, sondern auch um ein Subgenre der Phantastik, die Schwarze Romantik. Wie sich dieses Genre von der Literaturgattung der Romantik unterscheidet, werde ich dem Leser, der sich ja nicht wehren kann, in einem späteren Artikel darlegen. Fest steht, dass der ganze Vampirkram in die Gattung der Schwarzen Romantik fällt. Diese ist nah mit der englischen Gothic Novel verwandt: Bekannt sind hier das etwas komisch anmutende Castle of Otranta von Horace Walpole oder Mary Shellys Frankenstein.

Ein späterer Klassiker ist natürlich Dracula von Bram Stoker. Der blutsaugende Graf ist als Prototyp des Vampirs in die Film- und Literaturgeschichte eingegangen, seit die Novel 1899 veröffentlicht wurde. Ein früheres, aber weniger bekanntes Werk ist The Vampire von Polidori. Seine Darstellung eines anti-bourgeoisen Frauenverführers gelangte im Gegensatz zu Stokers Werk nie zu Weltruhm. Die Stichworte Vampir und Dracula sind eng miteinander verknüpft.

Der Roman ist aus der Perspektive der verschiedenen Charaktere geschrieben. Wir erhalten zum Beispiel Einblick in das Innenleben Jonathan Harkers, der nicht gerade glücklich ist, mit dem gruseligen Grafen und seinen moralisch fragwürdigen Vampirfrauen wohnen zu müssen oder dessen Verlobter Mina, die ihren Jonathan sehnlichst zurück erwartet. Durch die verschiedenen Perspektiven und auch eingefügte Zeitungsartikel vermittelt der Roman einen Eindruck von Authentizität. In diesem Roman ist es übrigens noch nicht sauerotisch, wenn man von einem Vampir heimgesucht wird. Im Gegenteil, die Bevölkerung im Osten ist ernsthaft abgeneigt und wendet sich Hausmittelchen wie Rosenkränzen oder Knoblauch zu. more…

Das Elend mit den Märchen

Die Schmitt, die gerade den Arsch voll Arbeit und irgendwie auch ein kreatives Jammertal hat, bereitet sich zur Zeit intensiv auf die Prüfung bei Professor Meier vor. Die Themen sind „Schwarze Romantik“ und   – taaa-daaaa – Märchen. Die Lektüre von Märchen ist ja so eine Sache. Man kommt als Germanistikstudent ja nicht drumherum und – seien wir mal ehrlich *zwinker-zwinker* – ist das auch ein dankbares Prüfungsthema. Tjaaaaa….
Aber:  Wer in absehbarer Zeit alle Kinder- und Hausmärchen lesen muss, kommt in kürzester Zeit in Genuss des E.T.A.-Hoffmanschen Wahnsinns.

Eigentlich dürften die von den Brüdern Grimm editierten Geschichten nicht langweilig sein, schließlich ist das Gewaltpotential extrem hoch. Abgehackte Fersen und Zehen bei Aschenputtel (KHM 21), ein nekrophiler Prinz und eine Exekution durch glühende Eisenschuhe bei Sneewittchen (KHM 53) und der kluge Hans (KHM 32) wirft einige Augen auf seine Angebetete: „Hans geht in den Stall, sticht allen Kälbern und Schafen die Augen aus und wirft sie der Gretel ins Gesicht.“
Das hat Potential. more…

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